Samstag, 31. März 2012

Disappointment...

... and they all retract their hands the moment you take hold of them...

>> "Warum!?? Warum, wieso!?" ich saß zusammengekauert auf den warmen Fliesen im Bad und ließ mich von den Weinkrämpfen durchschütteln. Ich wollte diese Schmerzen nicht mehr ertragen, nicht noch einmal, nicht schon wieder emotional sterben. Leben ist so viel schwerer als Sterben. Sterben, physisches Sterben, ist eine schöne Sache. Einfach. Man fühlt sich frei und zugleich geborgen, als ob alles, was kommt, alles, was man tut, nur richtig sein kann. Ein Gefühl, das ich im Leben nie hatte. Aber ich war davon überzeugt, dass Sterben nur das Richtige ist, wenn es an der Zeit dazu ist. Ein Freitod kam nie für mich in Frage, vor allem deswegen nicht, weil ich die Menschen, die ich liebte und die mich liebten niemals auf diese Weise verraten, im Stich lassen und enttäuschen wollte. Und außerdem hatte das Leben ja auch seine guten Seiten. Manchmal. Ich hatte mich bewusst für das Leben entschieden, ich war tot, ich hätte sterben dürfen, hatte mich aber dagegen entschieden. Und jetzt musste ich damit leben, zu leben, obwohl ich wusste, wie schön Sterben ist. Ein Leben, indem man sich oft fragt, wann es endlich wieder soweit ist und man gehen kann. Ohne, dass es falsch scheint. Mit 24 Jahren dauerte das offensichtlich noch länger... da hatte ich noch einige Kämpfe vor mir. "Macht euch das Spaß? Ich verstehe das nicht! Macht euch das Spaß, mir andauernd eine Hand zu reichen, zu versprechen, dass ich gehalten werde und wenn ich endlich meine Angst und meine Zweifel überwinde, meinen Fixpunkt loslasse, vertraue und mich euch zuwende, zieht ihr eure Hand zurück, seht mir zu, wie ich falle, bodenlos falle und lacht über mich? Warum tut ihr das? Ich hasse Männer, ich hasse Gefühle!! Oh Gott, ich wäre so gern taub... so gern gefühls-, emotionslos... ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr fühlen!" Wie oft sollte mir das noch passieren? Natürlich, ich war prädestiniert dafür, weil ich mich selbst in  solche Situationen hinein manövrierte und ich scheinbar auf solche Typen eine enorme Anziehung ausübte, aber konnte nicht endlich der Zeitpunkt gekommen sein, in dem es auch mir vergönnt war, dauerhaft glücklich zu werden? Etwas dauerhaft zu wollen, das Richtige gefunden zu haben und zwar ein Leben lang? Ich wusste, dass ich ihn weggeschickt hatte, dass ich Julius zu tiefst verletzt hatte und sein Vertrauen zu mir zerstört war. Aber er musste doch auch wissen, dass ich nur so gehandelt hatte, weil er mir keine andere Wahl ließ! Weil ich in den Jahren, in denen ich voller Liebe und Zuversicht seine Schikanen ertrug meine Mauer aufrichtete, um mich vor seinen Verletzungen zu schützen und letztendlich nichts mehr von meinen Gefühlen bemerkbar war? Das ich ihn deswegen nicht mehr liebte, weil er nicht von mir geliebt werden wollte? Zumindest war das einmal so... dass sich seine Gefühle jetzt plötzlich geändert hatten setzte doch nicht voraus, dass ich dem ganzen wieder so unbefangen und ahnungslos gegenüber stand, oder? Und dass ich jetzt, wo Marco meine Mauer eingerissen hatte, wo ich meine Gefühle wieder an der Oberfläche wahrnahm, für Julius so empfand, als ob ich ihn gerade die ersten Male gesehen hätte, mich neu in meinen Exfreund verliebte, konnte ich doch auch nicht wissen! Warum wird einem in so einer Situation gesagt, dass man sich das hätte denken können? Wie denn?? Ich plane nicht und ich berechne nicht, ich denke nicht. Ich habe meine Gefühle und die sagen mir, was zu tun ist. Leider sagen sie ständig etwas anderes, was mich ja erst in diese Geschichte reinzog. <<
(2012)